South Africa

Obgleich ich nur in Kapstadt selbst war hat mich Südafrika gefesselt und dazu animiert, zurückzukehren und unbedingt den Rest des Landes zu erleben.

Open your eyes and you will see Africa to its fullest!

Afrika ist Party, Sonne, Schönheit, Freude und Ausgelassenheit.

Afrika hat aber auch Geschichte! Und zwar die eines jeden
ihrer Bewohner. Viele leben nicht ohne Grund in Südafrika und viele sind bereit
und überaus erfreut, ihre Lebensgeschichten mit Fremden zu teilen. Wer sich
hierbei oberflächliche Stories über Herkunft, Job und tägliches Leben erwartet
wird schockiert sein. Schockiert darüber, wie offen der einfache Bürger über
sein Schicksal, Leid, Hoffnung und Angst erzählt.

Straßenverkäufer nutzen jede Gelegenheit, um mit Touristen
ins Gespräch zu kommen. Wer sich über das ständige „Hey, how are you, where’re you
from?“ hinaus auf ein Gespräch einlässt, kann sich sicher sein, für eine halbe
Stunde in Worte gefesselt zu werden, und am nächsten Tag auf offener Straße mit vollem
Namen, Herkunftsort und allem was man über sich erzählt hat, wiedererkannt zu
werden.

Ich kann nur jedem (mental starken!!) empfehlen, sich
während der Taxifahrten (natürlich nachdem man die atemberaubende Landschaft
begutachtet hat) mit den Taxifahrern zu unterhalten. All diese Menschen haben
eine Geschichte und erstrahlen in einem Lächeln und purer Freude, etwas über
sich erzählen zu dürfen. Es gab keinen, bei dem ich nicht Tränen schlucken
musste oder sprachlos war. Wir sehen Filme über Gemetzel in Ruanda und Sierra
Leone oder Grausamkeiten eines Mugabe. In Kapstadt habe ich die Menschen getroffen,
die vor diesen Barbareien geflohen waren. Die ihre Familien vor ihren eigenen
Augen hatten sterben sehen. Die über zahlreiche gefährliche afrikanische Länder
nach Südafrika geflohen waren, um dort nicht mehr um ihre Existenz fürchten zu
müssen. Zeitzeugen wie wir sie uns kaum vorstellen können, die mich zu Tränen
gerührt haben und die Welt in der ich lebe schätzen ließen.

Das Heimatgefühl stellt sich ein, wenn man es nur nah genug
an sich heranlässt und nicht selten habe ich bei Unterhaltungen Tränen
vergossen oder gelacht, um mich während meines Aufenthaltes vieler gefestigter Freundschaften, Bekanntschaften und Erlebnisse zu erfreuen.

Fortbewegung in Kapstadt

Fortbewegung in Kapstadt ist Chaos und Erlebnis zugleich.
Das Feilschen mit Taxifahrern um (umgerechnet) Cent-Beträge und ihr rasanter
Fahrstil lassen Puls und Temperament regelmäßig höher steigen. Wer sich traut,
probiert die Minibusse aus, die in Kapstadt zahlreich vom zentralen Busbahnhof
nahe Longstreet in alle Ecken Kapstadts fährt. Oberstes Gebot: Die Fahrt ist
eine einzige Feier. Lautes Radio, singende Fahrer, der Ticketverkäufer, der
während der gesamten Fahrt bei offener Tür aus dem Auto hängt und der läppische
Preis von 6 Rand (umgerechnet 60 Cent) bereiten Freude.

Am witzigsten ist aber immer wieder, wenn der Fahrer ohne Vorwarnung in der Haltestelle losfährt und dabei auf den Ticketmenschen vergisst – was uns quasi bei jedem Stopp passiert ist. Wie an die Szene aus Forrest Gump erinnern mich daher die jungen Männer, die den halben Tag ihrem Auto auf freier Straße (unter Jubelschsreien und „Ruuuun“-Ausrufen der Fahrgäste) nachsprinteten.

Street rules are different in africa

Ob in Taxis oder im eigenen Auto: erstens ist der
Linksverkehr verwirrend, zweitens achtet dort niemand, aber wirklich absolut
NIEMAND auf die Anzahl der Personen im Fahrzeug. Der Taxifahrer nahm uns zu
sechst mit, wobei er lediglich meinte, die Türen sollte man noch schließen
können – wie wir uns hineinquetschen war ihm dann reichlich egal.

Die Kunst des Tankens in der Pampa Südafrikas

Autos dort zu Mieten ist relativ günstig. Fahrten in ferngelegene Gegenden, zu Safaris oder auf Nationalparktouren  entpuppen sich somit zu angenehmen,
wunderschönen Angelegenheiten. Eines darf man jedoch nicht vergessen: zu
tanken. Und zwar rechtzeitig. Nicht erst, wenn die Leuchte angeht und man
bereits unterwegs ist, und zwar aus einem Grund: in der Pampa Südafrikas gibt
es alles, Berge, Felder, Townships und Tiere. Alles außer Tankstellen. Das
durften wir zweimal (ja, Frauen sind diesbezüglich einfach unverbesserlich)
schmerzhaft erleben. Während wir einmal gerade rechtzeitig zur Dämmerung mit
dem letzten Tropfen in eine Tanke rollen konnten, wurde uns unser zweiter
Benzin-loser Ausflug zum Verhängnis. Kurz vor dem Ziel in aller Herrgottsleere
mussten wir vom Safaripark die letzten Kilometer abgeschleppt werden. Ich denke,
die Angestellten dort haben so etwas noch nie erlebt. Sie mussten uns, um
unsere Rückfahrt – pardon, überhaupt den START zu unserer Rückfahrt – ermöglichen
zu können Benzin von einer nahegelegenen Tankstelle holen und mit eigenem Mund
in unseren Tank füllen. Gottseidank wurde es mit Humor aufgenommen! : )

MZOLI’s – pure Lebensfreude auf den Straßen und in Townships
Kapstadts

Ausgelassenheit, fröhlichkeit, Zuvorkommnis und Neugier sind
neben dem „Gemeinsam den Africa-dance tanzen“ und Leben genießen Thema beim
großen Braai (hierzulande bekannt unter dem Namen Barbeque) in einem Township am
Rande Kapstadts oberstes Thema. Fleisch ist dort Programm. Es darf mit Heißhunger gekommen, (viel) frisches rohes monströs großes Fleisch ausgewählt und in die gefühlte 1000°C warme Küche gebracht werden. Nachdem das faszinierende Straßenleben des
Townships, die Musik und das Flair einen mitgerissen hat, darf man sein Fleisch
in großen Blechtellern entgegennehmen.

Kulinarisches Südafrika

Wunderbar kulinarische Ergüsse hat Kapstadt zur Genüge zu
bieten. Als ob es das normalste auf der Welt ist, gibt es zu allem Feta
Avocado dazu. Und ich meine nicht die harten, unreif-grünen Avos, die wir von
zuhause kennen. Leckere, reife Stücke gibt es fast überall automatisch oder auf
Nachfrage zum Essen dazu.

Krokodilfleisch gilt dort als Delikatesse, und das auf
keinen Fall zu Unrecht! Am besten zu genießen bei Mama Africa auf der Long
Street (unbedingt ein, zwei Tage vorher einen Tisch reservieren!)

Weil es gerade so schön ist machen wir gleich weiter mit
Fleisch: Strauß! (engl. Ostrich) Mir bisher unbekannte Geschmacksnerven ließen das leckere, saftige Straußenfleisch auf mich wirken. Geschmack: etwas völlig neues. Fazit:
unbedingt ausprobieren!!!

Blick nach links: WOW. Blick nach rechts: WOW. – this is Africa.

Viel zu viele schöne Orte gibt es in der Metropole am Westkap, die niemals schläft.

Unbedingt zu besichtigen ist der mächtige Tafelberg – unbedingt auf einen sonnigen Tag  ohne Wolkendecke warten, es wird sich lohnen! (auf gute Ausrüstung und genügend Trinkwasser achten, es ist kein Spaziergang!) 

Lions Head. Die mächtig aus dem kapstädter Boden ragende
Spitze ist vor allem Nachts wunderbar anzusehen, wenn Touristen mit
Feuerfackeln den Wanderweg hinuntergehen und der gesamte Berg in Licht
erstrahlt.

Mein absoluter Lieblingsspot: Signal Hill. Von dort aus sieht man den atemberaubendsten Sonnenuntergang, den man sich nur vorstellen kann. Kleiner Tipp: Wenn man die Wiese etwas hinunterläuft gelangt man zu einigen Hausdächern, von denen aus man Ozean,
Signal Hill und die Stadt erblicken kann!

Sollte jemand den Drang verspüren, sich am Cliffton Bay zu
sonnen, muss ich Ladies vorwarnen: Dort gibt es die schönsten Männer. Es wird
euch jedoch kein einziger beachten. Der Grund: Es ist der Gay-Beach. In Kapstadt gibt es eine sehr große Gay-Kultur, sogar ein ganzes Gay Viertel. In vielen Clubs und an einigen
Stränden tummeln sich viele Gay People, find ich aber ganz charmant, die
Südafrikaner gehen damit sehr offen um!

Wine Tasting in Stellenbosch ist sehr zu empfehlen, man fährt
am besten mit einer geführten Tour dort hin, da man bestimmt vom leckeren Wein
kosten möchte und auf der Strecke werden Autos oft kontrolliert, da viele
Touristen trinken und fahren. Geführte Touren kosten ca. 50 euro und können im
Reisebüro gebucht werden.

Für Surfwütige lässt sich der Strand bei Muizenberg
empfehlen. Zwar gibt es dort regelmäßig Hai-Alarm und böse Zungen behaupten,
die Hai-Watcher auf den Hügeln rund um den Strand halten lieber Schläfchen als
Ausschau, trotzdem sind die Wellen ausgezeichnet, um sich dem Surfvergnügen
hinzugeben.

Was NIEMALS fehlen darf:

Ein Ausflug zum Kap der guten Hoffnung – Cape Peninsula National Park

Es sind ca. 2 Stunden Autofahrt von Kapstadt bis dorthin.
Eintritt sind ca. 50 Rand. Achtung, dort muss man pünktlich bei Sonnenuntergang
wieder draußen sein (was dann im Sommer zum Beispiel zu seltsamen Uhrtzeiten wie 19:57 führt).

Der Ausflug ist sehr abenteuerlich, dort gibt es viele wilde Tiere, große
Baboons, Zebras, Gazellen, einfach alles Mögliche!! Wie eine kleine Safari,
bevor man am berühmten Kap ankommt.

 

 

Obgleich Garden Route und Wildcoast an der Ostküste entlang
Südafrikas atemberaubende touristische Ziele sind, haben wir uns entschlossen,
gegen den Strom zu schwimmen und uns die Westküste hinaufzuwagen. Schnell hat
sich das als beste Idee ever herausgestellt. Noch nie habe ich in so kurzer Zeit
derart oft WOW (bezogen auf die Landschaft) gesagt. Auf der Suche nach warmem Wasser (was es in Südafrika faktisch nicht gibt, brrr) fuhren wir an der Westküste durch zahlreiche schöne Örtchen, die sich perfekt zum Kite- und Windsurfen eignen, auf den Westcoast National Park zu. Folgt man diesem Pfad, gelangt man an eine Bucht, die nicht
in Worten beschreibbar ist: Langebaan Lagoon.

 

 

Auf den Spuren Nelson Mandelas

So schön dieses Land ist, so schmerzvoll muss man
feststellen, dass die Apartheit, die offiziell bereits seit über zwei
Jahrzehnten vorbei ist, immer noch allgegenwärtig in den Köpfen Einheimischer
spukt. In vielen Restaurants in besser gelegenen oder sehr touristischen
Gegenden sieht man fast überwiegend Weiße und auch im Alltag generell gehen
beide Gesellschaften eher getrennte Wege.

Sehr emotional war es daher für mich, das ehemalige
Gefängnis auf Robben Island zu besuchen, in dem der Vertreter und
Freiheitskämpfer aller Schwarzen 18 Jahre lang gefangen war: Nelson Mandela.
Zuerst bekommt man eine Führung über die gesamte Insel, bei der das Gefängnis und
das Leben der Gefangenen beschrieben werden. Was danach folgt, ließ mit den
Atem stocken.

Nachdem sich alle Besucher in einer einfachen Halle
eingefunden haben, betrat ein kleiner, glatzköpfiger, friedlich oder schon fast
traurig aussehender schwarzer Opa den Raum. Auf die urplötzliche Totenstille
folgte ein leiser Satz: „I would like to welcome you on here in the former
Prison of Robben Island. I have been a prisoner here myself for over 6 years.“

Führungen dort werden von ehemaligen Häftlingen persönlich
durchgeführt, was sehr emotional ist. Sie antworten auf jede Frage der
Besucher, über Gewalt, ihre Zeit im Gefängnis, die Gründe warum sie dort
eingesperrt waren und was sie daraus gelernt haben. Im Anschluss besichtigt man
die ehemalige Zelle Nelson Mandelas und wird sich noch einmal seiner Freiheit
im Ganzen bewusst, während man in der 2×2 m² großen Zelle steht und die
einfache Matte ansieht, auf der er jahrelang schlafen musste.

 

 

Südafrika öffnet Herz und Seele, gibt Lebenskraft und fröhlichkeit, Hoffnung, Freundschaft und Liebe. Ich beende diesen Blog mit einem Satz, den ich auf einer Toilettentür in der Stones-Bar im Studentenviertel Oberservatory gelesen habe, und der seitdem zum Motto meines Lebens wurde, weil er so wunderbar beschreibt, was im Leben eigentlich zählt:

Bake a cake and travel the world.

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  1. Pingback: STA Travel Reiseblogger 2011: weltenbummlermag.de

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